Dialekte in Deutschland gehen verloren (44+ Statistiken)
73 Prozent der Menschen in Deutschland sprechen die Mundart ihrer Region, 26 Prozent sogar fast immer. Am beliebtesten ist Bayerisch, am unbeliebtesten Sächsisch, und in Bayern spricht fast jeder Zweite dauerhaft Dialekt, in Nordrhein-Westfalen nur jeder Zehnte.
Alles Wichtige auf einen Blick
- 73 Prozent sprechen die Mundart ihrer Region, 48 Prozent davon gut.
- 26 Prozent der Deutschen sprechen im Alltag eigentlich immer Dialekt.
- 13 Prozent sprechen nie Dialekt.
- In Bayern sprechen 45 Prozent fast immer Mundart, in NRW nur 10 Prozent.
- Bayerisch ist mit 35 Prozent der beliebteste Dialekt Deutschlands.
- Sächsisch lehnen 54 Prozent der Befragten rundheraus ab.
- Nur 46 Prozent der Berliner mögen den Berliner Dialekt.
- Georg Wenker sammelte 51.480 Fragebögen aus 49.363 Orten.
- Der Sprachatlas des Deutschen Reichs umfasst 1.653 handgezeichnete Karten.
- 71 Prozent der Dialektsprecher wechseln im Beruf selbstverständlich ins Hochdeutsche.
- Nur 5 Prozent der Dialektsprechenden sind jünger als 24 Jahre.
- In Baden-Württemberg sprechen nur noch 11 bis 15,3 Prozent der Erstklässler Dialekt.
- Plattdeutsch sprechen über zwei Millionen Menschen.
- Von den unter 20-Jährigen sprechen nur noch 0,8 Prozent gut Niederdeutsch.
- In Ostfriesland sprechen 58 Prozent gut bis sehr gut Platt.
Dialekt ist in Deutschland gleichzeitig Alltag und Streitthema. Die Datenlage ist besser, als viele denken: Es gibt Erhebungen aus dem 19. Jahrhundert, laufende Sprachatlanten und mehrere repräsentative Umfragen dazu, wer wo noch Mundart spricht und wie die einzelnen Dialekte ankommen. Wir haben 45 belastbare Zahlen des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas, des Instituts für Demoskopie Allensbach, des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache und des Instituts für niederdeutsche Sprache zusammengetragen und jede einzelne mit Quelle belegt.
Wie Dialekte erforscht werden
1. Georg Wenker sammelte 44.251 Fragebögen aus 40.736 Orten
Der Marburger Sprachforscher ließ ab 1876 in fast jedem Schulort des Deutschen Reichs 40 Sätze in die örtliche Mundart übertragen. Die Haupterhebung umfasst 44.251 Bögen aus 40.736 Schulorten und ist bis heute die größte Dialekterhebung der Welt.1
2. Mit den Nacherhebungen sind es 51.480 Bögen aus 49.363 Orten
Bis 1933 kamen weitere Erhebungen dazu. Der Gesamtbestand liegt bei 51.480 sogenannten Wenkerbögen aus 49.363 deutschsprachigen Orten.2
3. Der Sprachatlas des Deutschen Reichs hat 1.653 handgezeichnete Karten
Jede einzelne Karte wurde von Hand gezeichnet, lange vor jeder Form von Datenverarbeitung.3
4. Das Projekt regionalsprache.de erhebt an über 150 Orten
Für die moderne Regionalsprachenforschung werden an mehr als 150 Orten jeweils drei Alters- und Bildungsgruppen aufgenommen. So lässt sich der Wandel innerhalb einer Ortschaft messen.4
5. 3.500 Tonaufnahmen der Wenker-Sätze sind online abrufbar
Die Plattform macht hörbar, wie dieselben Sätze in allen Dialektlandschaften klingen.5
6. Das Projekt läuft 19 Jahre und kostet rund 14 Millionen Euro
Die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur nahm regionalsprache.de 2007 in die Langzeitförderung auf.6
7. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache hat über 600 Karten
Seit 2003 sind aus zwölf Online-Umfragerunden mehr als 600 kommentierte Einzelkarten entstanden, von der Semmel bis zum Schluckauf.7
8. Er erfasst knapp 500 Erhebungspunkte im deutschen Sprachraum
Erhoben wird in Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Südtirol, Ostbelgien und Luxemburg.8
Wer in Deutschland noch Dialekt spricht
9. 73 Prozent sprechen die Mundart ihrer Region
48 Prozent geben an, den Dialekt ihrer Region gut zu sprechen, weitere 25 Prozent zumindest ein wenig. Dialektkompetenz ist damit die Regel, nicht die Ausnahme.9
10. 26 Prozent sprechen eigentlich immer Dialekt
Ein Viertel der Bevölkerung nutzt Mundart als Standardvariante des Alltags.10
11. 13 Prozent sprechen niemals Dialekt
Nur jeder Achte hat mit Mundart gar nichts zu tun.11
12. In Bayern sprechen 45 Prozent fast immer Dialekt
Das ist der höchste Wert aller Regionen Deutschlands.12
13. In Thüringen und Sachsen sind es 37 Prozent
Auch hier ist Mundart Alltagssprache und nicht nur Erinnerung.13
14. In Norddeutschland und NRW sind es jeweils nur 10 Prozent
Zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen liegt der Faktor viereinhalb. Wer von "den Deutschen und ihrem Dialekt" spricht, meint faktisch den Süden.14
15. In Ostdeutschland sank der Anteil von 41 auf 33 Prozent
1991 sagten noch 41 Prozent der Ostdeutschen, sie sprächen eigentlich immer Dialekt, 2008 waren es 33 Prozent.15
16. In Westdeutschland ging es von 28 auf 24 Prozent zurück
Der Rückgang ist im Westen langsamer, aber ebenso stetig.16
17. Die Erhebung befragte 1.814 Personen ab 16 Jahren
Die Allensbacher Dialektumfrage entstand zwischen dem 1. und 13. Februar 2008 und ist bis heute die meistzitierte Grundlage zum Thema.17
Welche Dialekte beliebt sind und welche nicht
18. Bayerisch ist mit 35 Prozent der beliebteste Dialekt
Gut jeder Dritte hört Bairisch besonders gern. Kein anderer Dialekt kommt auf diesen Wert.18
19. Plattdeutsch folgt mit 29 Prozent
Das norddeutsche Platt ist der zweitbeliebteste Dialekt des Landes.19
20. Berlinerisch mögen 22 Prozent besonders gern
Damit steht die Hauptstadtmundart auf Platz drei der Beliebtheitsskala.20
21. 54 Prozent mögen Sächsisch überhaupt nicht
Mehr als jeder Zweite lehnt Sächsisch ausdrücklich ab. Das ist der mit Abstand höchste Ablehnungswert überhaupt.21
22. Bayerisch und Berlinerisch polarisieren am stärksten
Beide liegen mit je 21 Prozent Ablehnung auf Platz zwei der unbeliebtesten Dialekte, obwohl sie gleichzeitig ganz oben in der Beliebtheit stehen.22
23. Schwäbisch hören 17 Prozent überhaupt nicht gern
Ein Wert im Mittelfeld, deutlich hinter Sächsisch.23
24. Westfälisch stört fast niemanden
Nur 2 Prozent nennen Westfälisch als unbeliebten Dialekt. Der unauffälligste Dialekt ist damit gleichzeitig der am wenigsten abgelehnte.24
25. 77 Prozent der Bayern mögen ihren eigenen Dialekt
Nirgendwo ist die Zustimmung zur eigenen Mundart höher.25
26. 65 Prozent der Norddeutschen mögen ihr Platt
Auch im Norden ist die Bindung an die eigene Sprache stark.26
27. Nur 46 Prozent der Berliner mögen Berlinerisch
Die Berliner sind damit die einzige Gruppe, bei der weniger als die Hälfte den eigenen Dialekt gern hört.27
28. In einer zweiten Umfrage ist Sächsisch mit 8 Prozent Schlusslicht
Eine YouGov-Befragung von 1.048 Personen bestätigt das Bild von 2008 unabhängig.28
29. Norddeutsch führt dort mit 29 Prozent vor Bayerisch mit 27 Prozent
Die Rangfolge an der Spitze dreht sich also je nach Erhebung, der Abstand ist klein.29
30. Kölsch kommt auf 13 Prozent, Berlinerisch auf 11 Prozent
Beide Stadtmundarten sind bundesweit bekannt, aber nur für eine Minderheit die liebste.30
Dialekt im Beruf
31. 2.292 Menschen wurden zum Dialekt im Beruf befragt
Die Erhebung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache und des DIW Berlin fand im Winter 2019/2020 statt und ist die größte Untersuchung dazu in Deutschland.31
32. 60,1 Prozent der befragten Dialektsprecher standen im Berufsleben
Sie wurden zu zehn typischen beruflichen Gesprächssituationen befragt, vom Kundengespräch bis zur Teambesprechung.32
33. 71 Prozent wechseln im Beruf selbstverständlich ins Hochdeutsche
Dialektsprechen und Hochdeutsch schließen sich also nicht aus, die meisten schalten situationsabhängig um.33
34. 58 Prozent hatten nie berufliche Nachteile durch ihren Dialekt
Die Mehrheit erlebt Mundart im Job als unproblematisch.34
35. 22 Prozent der über 55-Jährigen berichten von negativen Erfahrungen
In der ältesten Gruppe hat mehr als jeder Fünfte im Job schon Nachteile wegen des Dialekts erlebt.35
36. 60 Prozent der Dialektsprechenden sind stolz auf ihre Mundart
Trotz aller Bewertung von außen ist die Bindung an die eigene Sprache hoch.36
37. Nur 5 Prozent der Dialektsprechenden sind unter 24 Jahre alt
Über die Hälfte ist älter als 55. Die Altersverteilung ist der deutlichste Hinweis darauf, wohin die Entwicklung geht.37
Dialekt bei Kindern
38. In Baden-Württemberg sprechen 11 bis 15,3 Prozent der Erstklässler Dialekt
In den Klassen 1 und 2 spricht je nach Erhebungsjahr nur etwa jedes siebte bis neunte Kind noch Mundart. Im Land des "Wir können alles außer Hochdeutsch" ist das eine bemerkenswerte Zahl.38
39. Fast 13.600 Grundschulkinder wurden dafür untersucht
Dazu kamen mehr als 705 Lehrkräfte in rund 700 Klassen. Es ist damit die größte Erhebung zu Kindern und Dialekt in Deutschland.39
40. Im Landkreis Sigmaringen sprechen über 40 Prozent der Kinder Dialekt
Im Ostalbkreis sind es 31 Prozent, in Reutlingen 25 Prozent. Selbst innerhalb eines Bundeslandes liegen zwischen den Kreisen Welten.40
Niederdeutsch, der Sonderfall
41. Über zwei Millionen Menschen sprechen Plattdeutsch
Damit ist Niederdeutsch die mit Abstand größte Regionalsprache Deutschlands.41
42. 32,4 Prozent der Norddeutschen sprechen zumindest mäßig Platt
67,6 Prozent können nur einzelne Wörter oder gar nichts.42
43. 76,9 Prozent verstehen Niederdeutsch mindestens mäßig
Das Verstehen hält sich also deutlich länger als das Sprechen. Genau das ist das Muster, in dem Sprachen verschwinden.43
44. In Schleswig-Holstein sprechen 24,5 Prozent aktiv Platt
In Mecklenburg-Vorpommern sind es 20,7 Prozent, in Brandenburg nur 2,8 Prozent.44
45. Bei den unter 20-Jährigen sprechen nur noch 0,8 Prozent gut Platt
Bei den über 80-Jährigen ist es noch etwa die Hälfte. Zwischen diesen beiden Zahlen liegen drei Generationen und der komplette Bruch einer Sprachweitergabe.45
Was von den Dialekten bleibt
Die Statistik zeigt zwei Bewegungen gleichzeitig. Die Zustimmung zum Dialekt ist hoch, der tatsächliche Gebrauch geht zurück, und beides fällt am stärksten in den jüngsten Altersgruppen auseinander.
Am ehesten überlebt Mundart dort, wo sie einen Anlass hat: im Lied, im Vers, in der Rede zur Familienfeier. Wer dafür einen Entwurf braucht, kann sich auf gedichterstellen.de kostenlos und ohne Werbung einen erstellen lassen, zum Beispiel für ein Geburtstagsgedicht oder ein Gedicht für die Oma, und ihn anschließend in die eigene Mundart übertragen.
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Häufige Fragen
Wie viele Menschen sprechen in Deutschland Dialekt?
73 Prozent der Bevölkerung beherrschen die Mundart ihrer Region, 48 Prozent davon gut. 26 Prozent sprechen im Alltag eigentlich immer Dialekt, 13 Prozent sprechen nie Dialekt.
In welchem Bundesland wird am meisten Dialekt gesprochen?
In Bayern. Dort sprechen 45 Prozent der Menschen eigentlich immer Dialekt, gefolgt von Thüringen und Sachsen mit 37 Prozent. Am seltensten ist Dauerdialekt in Norddeutschland und in Nordrhein-Westfalen mit jeweils 10 Prozent.
Welcher Dialekt ist der beliebteste in Deutschland?
Bayerisch, mit 35 Prozent Zustimmung, vor Plattdeutsch mit 29 Prozent und Berlinerisch mit 22 Prozent. In einer späteren YouGov-Umfrage liegt Norddeutsch mit 29 Prozent knapp vor Bayerisch mit 27 Prozent, die Spitzengruppe ist also stabil.
Welcher Dialekt ist der unbeliebteste?
Sächsisch. 54 Prozent der Befragten geben an, diesen Dialekt überhaupt nicht zu mögen. Auf Platz zwei folgen mit je 21 Prozent Ablehnung Bayerisch und Berlinerisch, also zwei Dialekte, die gleichzeitig ganz oben in der Beliebtheit stehen.
Stirbt der Dialekt in Deutschland aus?
Er verschwindet nicht überall gleich schnell. Der Anteil der Dauerdialektsprecher ist in Ostdeutschland von 41 auf 33 Prozent und in Westdeutschland von 28 auf 24 Prozent gesunken. Deutlicher ist der Bruch bei den Kindern: In Baden-Württemberg sprechen in Klasse 1 und 2 nur noch 11 bis 15,3 Prozent Dialekt.
Wie viele Menschen sprechen noch Plattdeutsch?
Über zwei Millionen. 32,4 Prozent der Norddeutschen sprechen Niederdeutsch mindestens mäßig, 76,9 Prozent verstehen es. Die Altersverteilung ist allerdings extrem: Bei den über 80-Jährigen spricht noch rund die Hälfte Platt, bei den unter 20-Jährigen sind es 0,8 Prozent.
Quellen
- Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, Universität Marburg (uni-marburg.de)
- Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, Universität Marburg (uni-marburg.de)
- Akademienunion und Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas (akademienunion.de)
- Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas (akademienunion.de)
- Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas (akademienunion.de)
- Philipps-Universität Marburg (uni-marburg.de)
- Atlas zur deutschen Alltagssprache, Universitäten Salzburg und Lüttich (atlas-alltagssprache.de)
- Atlas zur deutschen Alltagssprache (atlas-alltagssprache.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- YouGov (yougov.com)
- YouGov (yougov.com)
- YouGov (yougov.com)
- Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und DIW Berlin (ids-mannheim.de)
- Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und DIW Berlin (ids-mannheim.de)
- Babbel for Business und YouGov (haufe.de)
- Babbel for Business und YouGov (haufe.de)
- Babbel for Business und YouGov (haufe.de)
- Babbel for Business und YouGov (haufe.de)
- Babbel for Business und YouGov (haufe.de)
- Ludwig-Uhland-Institut, Universität Tübingen (stimme.de)
- Ludwig-Uhland-Institut, Universität Tübingen (stimme.de)
- Ludwig-Uhland-Institut, Universität Tübingen (schwaebische.de)
- Niederdeutschsekretariat (niederdeutschsekretariat.de)
- Institut für niederdeutsche Sprache (ins-bremen.de)
- Institut für niederdeutsche Sprache (ins-bremen.de)
- Institut für niederdeutsche Sprache (ins-bremen.de)
- Institut für niederdeutsche Sprache und IDS (te.ma)
Henrike Vollmer